Österreichische
Narkolepsie Gesellschaft
Behandlung
der Narkolepsie
Ao.Prof.
Dr. Birgit Högl, Universitätsklinik für Neurologie, Innsbruck
Mit
einer Prävalenz von 0,4 – 0,6 pro 1000 gehört die Narkolepsie zu den eher häufigen
neurologischen Erkrankungen, und analog zu Erhebungen aus anderen europäischen
Ländern ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der Betroffenennoch nicht
diagnostiziert ist.
Die
Narkolepsie manifestiert sich mit den Hauptsymptomen Tagesschläfrigkeit, Kataplexie,
hypnagoge Halluzinationen und Schlafparalysen, sowie zumindest nach längerer
Erkrankungsdauer oft ausgeprägten Durchschlafstörung. Die einzelnen Symptome
werden individuell behandelt.
Als
Therapie der ersten Wahl zur Behandlung der exzessiven Schläfrigkeit gilt
derzeit Modafinil,
wobei eine ausreichende Dosierung (mindestens 400 mg pro Tag) erreicht werden
muß, um eine sichere Aussage über die Wirksamkeit zu machen. Bei unzureichender
Wirksamkeit (genetisch determinierte Faktoren modulieren das Ansprechen auf
Modafinil bei Narkolepsiepatienten) kommen suchtgiftpflichtige Stimulantien
wie z.B. Methylphenidat zum Einsatz. Auch hier sollte eine ausreichende
Dosierung (meist 30-60 mg/d) dem Patienten nicht vorenthalten werden. Obwohl
Studien die Langzeitverträglichkeit einer Behandlung mit höheren Dosen
Methylphenidat belegen, kann die Entwicklung von Toleranz und Nebenwirkungen
den Erfolg beeinträchtigen. Weitere Stimulantien kommen bedarfsweise zum
Einsatz. Die beste Qualität des Wachseins wird für viele Patienten durch
Schlaf selbst erreicht, weshalb die Unterstützung des Patienten beim Einbau von
festen Schlafpausen (in liegender Position) in seinen Tagesrhythmus, oft zu einer
deutlich besseren Lebensqualität führt.
Kataplexien
sind für manche Patienten das im Vordergrund stehende Symptom, da der
affektive Tonusverlust im Arbeits- und Sozialleben u.U. äußerst beeinträchtigend
ist.
Kataplexien sprechen gut an auf trizyklische Antidepressiva (wobei meist Präparate
mit anregender Wirkung wie z.B. Clomipramin oder Imipramin verwendet werden).
Falls aufgrund von Nebenwirkungen die älteren Antidepressiva nicht zum Einsatz
kommen können, sind Reboxetin und Venlafaxin mögliche Alternativen. SSRI
werden ebenfalls empfohlen, sind jedoch bei manchen Patienten nicht ausreichend
wirksam. Häufig auftretende Schlafparalysen, insbesondere in Zusammenhang mit
hypnagogen Halluzinationen, können für die Betroffenen äußerst unangenehm
und belastend sein. Auch hier kommen REM-Schlaf supprimierende Antidepressiva
wie die o.g. zum Einsatz.
Ein
zusätzliches Medikament zur Behandlung der Narkolepsie ist Gamma-Hydroxybutyrat
(GHB), welches sowohl die häufig begleitende Nachtschlafstörung, als auch
Tagesschläfrigkeit und möglicherweise Kataplexien positiv beeinflussen kann.
Der schlechte Geschmack der Flüssigkeit, die äußerst kurze Halbwertszeit, und
das Mißbrauchspotential der Substanz haben jedoch bislang die breitere
Verwendung von GHB eingeschränkt.
Die
Entdeckung eines Zusammenhangs zwischen dem Hypocretin/Orexin System und der
Narkolepsie, sowie die seit kurzem wieder aufgenommene Suche nach einer
autoimmunen Ursache könnten in Zukunft zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führen.
Literatur
bei der Verfasserin
WEBMASTER: Falch Bernhard